25 Jahre gegen Eurozentrismus

Fotoausstellung zu futuristischer Kinoarchitektur der 60er Jahre in Angola, Foto: Goethe-Institut Angola

25 Jahre gegen Eurozentrismus

Das Afrika Film Festival zeigt reiche Filmkunst

„Nicht nur politisch ist Afrika von Europa aus gesehen für viele ein weißer Fleck. Auch im Kino kommt Afrika praktisch nicht vor…“ Mit diesen Worten eröffneten die Gründer einer Reihe mit afrikanischen Filmen im Jahr 1992 ihr Programmheft. Und weiter hieß es dort vor 25 Jahren: „Aber Afrika hat eine … vielfältige Filmproduktion, die unter unendlich schwierigen Bedingungen … stattfindet. Trotz allem sind Filme entstanden, die eine breite Themenpalette widerspiegeln: den Kampf gegen Kolonialismus und Neo-Kolonialismus, die Kritik an überholten Traditionen, Stadt-Land-Gefälle, Klassengegensätze. Diese Filme sind äußerst lebendig, spannend und von einem außerordentlichen Niveau.“

Zwar ist seitdem Nigeria zur zweitgrößten Filmnation der Welt herangereift – mit mehr als 1000 Filmen im Jahr hinter Bollywood in Indien, aber noch vor Hollywood. Doch die billig im Schnellverfahren abgedrehten Filme des sogenannten Nollywood sind eine Kategorie für sich. Insgesamt hat sich an der Feststellung in dem Programmheft bis heute wenig geändert. Zwar finden vereinzelt immer wieder Filme regulär in die deutschen Kinos, die einen an das außerordentliche filmischen Niveau erinnern, das auf diesem riesigen Kontinent möglich ist. Insgesamt bekommt man hierzulande aber leider unglaublich wenig an afrikanischer Filmkunst zu sehen, und auch die Entstehungsbedingungen sind nach wie vor schwierig, auch wenn sich in dieser Hinsicht einiges getan hat. Man muss bedenken, dass das afrikanische Kino noch sehr jung ist und erst nach dem Ende der Kolonialherrschaft in den 60er Jahren überhaupt entstehen konnte. Die meisten Filme, die für den hiesigen Kinofan sichtbar werden haben immer noch einen frankophilen Hintergrund, weil sie von Afrikanern gemacht wurden, die in Frankreich gelebt und/oder dort ihre Ausbildung absolviert haben. Das gilt auch für „Félicité“ von Alain Gomis, der im Winter auf der Berlinale den Großen Preis der Jury erhalten hat und am 5. Oktober in den deutschen Kinos startet. Auf dem Afrika Film Festival ist er vorab zu sehen. Außerdem findet im Rahmen des Festivals ein Konzert der Kasai Allstars statt, die für den Soundtrack von Gomis‘ Film verantwortlich sind.

Aus der Afrikanischen Filmreihe von 1992 wurde bereits ein Jahr später das Afrika Film Festival „Jenseits von Europa“, das ab 1996 biennal im Wechsel mit thematischen Filmreihen stattfand. Da nicht nur das Festival, sondern auch die Filmreihen immer umfangreicher wurden, war der Unterschied zwischen Themenreihe und Festival aber schon länger verschwommen. Mit dem 25-jährigen Jubiläum wechselt das Festival zur jährlich Austragung. Bislang hat es mehr als 750 Filme aus 45 Ländern gezeigt, als Gäste waren 170 Filmschaffende eingeladen, über ihre Arbeit zu reden. Zwischen dem 21. September und dem 1. Oktober zeigt das Afrika Film Festival mit seiner Jubiläumsausgabe nun erneut 80 Filme aus 25 Ländern. Mit aktuellen Filmen und dem Themenfokus „Landgrabbing & Migration“ gelingt wieder ein guter Überblick über das Filmschaffen auf diesem riesigen Kontinent. Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Konzerten, Partys, einer Fotoausstellung über angolanische Kinos u.v.m. ergänzt das Angebot. Den mit 1000 Euro dotierten Publikumspreis für den besten Spielfilm stiftet wieder choices.

15. Afrika Film Festival | 21.9. – 1.10. | diverse Orte | www.filme-aus-afrika.de

Autor

CHRISTIAN MEYER-PRÖPSTL

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