Wunderbarer Tapetenwechsel

„Für mich soll's rote Rosen regnen“, Foto: Ariel Oscar Greith

Wunderbarer Tapetenwechsel

„Für mich soll’s rote Rosen regnen“ in der Kammeroper

Leere, bunte Zigarettenschachteln und zerknülltes Butterbrotpapier. Eine einfache Textzeile, die mich ein Leben lang begleitet hat. Hildegard Knef (1925-2002) war der Superstar der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der erste nackte Busenblitzer in einem deutschen Film („Die Sünderin“, D 1951), naja, die paar Sekunden reichten damals für einen handfesten Skandal. Spießer-Empörung und grenzenlose Bewunderung begleiten „die Knef“ ihr ganzes Leben. Eine Dame wurde sie nie. Immer qualmte es, bei jedem Interview und in jeder ihrer drei Ehen auch.

In der Kölner Kammeroper taucht sie dankbarerweise aus dem Nebel der Geschichte wieder einmal auf. In mehr als zwei Dutzend Chansons und einer Handlung, die James Edward Lyons aus ihren Erinnerungsbüchern gefiltert hat, wird der verhinderte Hollywoodstar, seit 1950 mit US-amerikanischen Pass, wieder lebendig. „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ heißt das musikalisch-seelisches Portrait Lyons, das seit Dezember 2005 (zum 80. Geburtstag von Hilde) inzwischen hundertfach auf den deutschen Bühnen gespielt wurde. Der Plot spielt 1975. Hildegard Knef ist auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Karriere und dem Krebs knapp entronnen. Die Schauspielerin sitzt zu Hause vor der heiligen Schreibmaschine und blickt in die eigene Vergangenheit. Sie erinnert sich an die junge „Hilde“. Und dann stehen zwei Frauen auf der Bühne, die eigentlich nur eine Person sind. Streit ist unvermeidlich, kein Satz bleibt unwidersprochen.

Das ist kein Zickenkrieg im eigentlichen Sinn, das ist die schonungslose Abrechnung mit sich selbst. Das ist keine erdachte Biografie, Hilde hat das selbst geoutet. Ihr Leben aus Arbeitswut und physischer Erschöpfung, ihre grandiosen Chansons über maßlose Sehnsucht und oft auch die übersehenen kleinen Dinge des Lebens. Alles führte unweigerlich in die körperliche und seelische Katastrophe. Aber auch das hat sie unerschütterlich wie eine Eiche, äh Birke überwunden, bis sie „des Försters Beil dann traf“.

„Für mich soll’s rote Rosen regnen“ | 9.(P), 20., 22.3. je 19.30 Uhr, 17.3. 19 Uhr, 18.3. 16 Uhr | Kammeroper Köln | 02238 956 03 03

Autor

PETER ORTMANN

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