Widerstand ist machbar

Foto: Ant Palmer

Widerstand ist machbar

„Hier kommt keiner durch“ in Oberhausen

Viel braucht es nicht für die gedachte Plaza im kleinen Saal 2 des Oberhausener Theaters. Hier strömt es aus bunten Flimmerstreifen hervor, flanieren die Menschen über den Platz, das Hündchen legt eine Tretmine, Männer und Frauen sind geschäftig oder nicht, die kleinen Zuschauer erkennen Dieb und Polizist, versuchen kreischend zu helfen, aber sie sehen auch den Blinden und den Obdachlosen. „Hier kommt keiner durch” ist ein Stück über Vorschriften und Regeln, über Ungehorsam und Widerstand, denn es wird schnell klar, dass Einzelne sich über das geschäftige Leben der Menge hinwegsetzen können und ihre eigenen Regeln setzen wollen. Denn plötzlich posaunt die Discokugel: „Hier kommt keiner durch.“ In Oberhausen ist das keine Mauer, die Mexiko bezahlen soll, sondern nur ein Kreidestrich der die Bühne teilt, aber die Schauspieler*innen müssen sich daran halten.

Anfangs finden die Kinder im Publikum das noch witzig. „Hier kommt keiner durch“, skandieren sie, wenn wieder ein Bürger über die Linie will, doch mehr und mehr wird die Grenze zum Ärgernis. „Geh doch einfach rüber“, rufen sie jetzt. Doch so einfach ist das nicht.

Regisseurin Paulina Neukampf hat für das 2017 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnete Bilderbuch eine kindgerechte Bühnenfassung erarbeitet, die sehr gut funktioniert und auch wichtig ist. Ziviler Ungehorsam ist ein immaterielles Kapital, von dem man nicht früh genug erfahren sollte und in „Hier kommt keiner durch“ lernen die Kurzen (und die Langen), was Zusammenhalt bedeutet und was passiert, wenn gemeinsam diese Grenzen überschritten werden, und dazu braucht es keine Wutbürger. Lustig: Zu „Wehrt Euch, leistet Widerstand“ zur Kanon-Melodie von „Heho, spann den Wagen an“ werden bei den Eltern vielleicht eher alte Brokdorf-Demofeelings wach. Doch: Wissen ist Macht: Der böse General, der eben noch lautstark seine Befehle an Mensch und Tier verkünden ließ, ist nur ein armseliger Stairville M-x200 Pro Spot-Scheinwerfer auf Rädern, der, nachdem ihm der Stecker der Verlängerungsschnur gezogen wurde, niemandem mehr Angst macht. Ach wär´ das doch immer so einfach. Eine schöne Inszenierung mit Lerneffekt für den Theaternachwuchs – nicht nur aus Oberhausen.

„Hier kommt keiner durch“ | R: Paulina Neukampf | Sa 2.2., 16 Uhr, 14.2. 9.30 Uhr & 11 Uhr | Theater Oberhausen | 0208 857 81 84

Autor

PETER ORTMANN

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