Vorhang auf für die Kölner Kinoszene

Sieger im Kino: „Rudi Assauer – Macher, Mensch, Legende“, Foto: mindjazz

Vorhang auf für die Kölner Kinoszene

Die 10. Kölner Kino Nächte zeigen die ganze Fülle der Kinokultur

Wenn sich ein Jahrhundertsommer wie dieser über das Land ausbreitet, dann freuen sich Eisverkäufer oder auch die Sonnenmilchindustrie. Regenschirmhersteller und die Kinobranche freuen sich weniger. Letztere kämpfen trotz guter Filme seit Wochen mit niedrigen Besucherzahlen. Bei 30 Grad plus ist auch das beste Programm, die neueste Technikausstattung und das rundeste Serviceangebot hilflos gegen leere Säle. Selbst die beste Klimaanlage kann dann kaum Besucher ins Kino locken. Wenn dann auch noch WM-Jahr ist, dann kann man den Kinobetreibern nur noch wünschen, dass großartige Neustarts in einem verregneten Herbst den Jahresschnitt wieder rausreißen. Die Kölner Kinoszene wartet allerdings nicht erst bis zum Herbst, sondern nutzt seit nunmehr zehn Jahren jeden noch so heißen Hochsommer, um die Aufmerksamkeit verstärkt auf den Film zu lenken. Kurz vor den Sommerferien, in Konkurrenz zur WM (die Vorführungen kollidieren allerdings nicht mit den letzen Spielen), finden vom 12. bis zum 15. Juli die 10. Kölner Kino Nächte statt. Über 50 Filme zeigen die freie Kölner Filmszene und die Kinos in Kooperation – zum Teil an ungewöhnlichen Veranstaltungsorten, natürlich auch unter freiem Himmel. Los geht es am 12. Juli um 20 Uhr mit der Dokumentation „Shut Up and Play the Piano“ über den seit einigen Jahren in Köln lebenden Musiker Chilly Gonzales. Der Festivalauftakt findet glamourös in Anwesenheit des Filmteams in der Kölner Philharmonie statt.

Das Programm an den vier Tagen ist so vielfältig, wie Kino nur sein kann:

Grusel-Klassiker wie Tod Brownings „Freaks“ aus dem Jahr 1932 – als Häppchen für Connaisseure alter Analogtechnik rechtsrheinisch bei Lichtspiele Kalk im 16mm-Format gezeigt, oder Hitchcocks „Die Vögel“ – stehen ebenso auf dem Programm wie „Blind & Hässlich“, der neueste Film des deutschen Mumblecore-Regisseurs Tom Lass – vorgeführt im Schrottplatz-Ambiente des Odonien-Open Air. Dem macht eventuell das Guerilla Kino, das alte Kino-Orte temporär zum Leben erweckt, mit seiner Vorführung des kryptischen Horrorthrillers „Beyond the Bridge“ Konkurrenz – der Ort der Vorführung wird kurzfristig auf www.guerillakino.de bekannt gegeben. Ähnlich verfährt die Dokumentarfilmplattform Dokomotive mit „Am Kölnberg“.

Mit dabei sind auch andere Initiativen und Veranstalter wie Mitternachtskino, Filminitiativ, Allerweltskino, Cinemania Kalk, Filmbrücke, Something Weird Cinema und Kinoflimmern, Festivals wie die Französischen Filmtage, Stranger than Fiction, das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund / Köln, Kino Latino oder das Kurzfilmfestival Köln (mit einem per Fahrrad in den Straßen der Stadt zu sammelndem Kurzfilmprogramm), und neben allerlei ungewöhnlichen Veranstaltungsorten wie dem Ebertplatz, wo die Obdachlosen-Doku „Draußen“ zu sehen ist, natürlich auch die Arthauskinos der Stadt sowie diverse Filmverleiher und Produktionsfirmen, die ebenfalls die reichhaltige Kölner Filmszene repräsentieren. Der WM bieten die Kino Nächte mit der Dokumentation „Rudi Assauer – Macher, Mensch, Legende“ von Don Schubert Paroli. Und für den Fall, dass die WM todlangweilig wird, gibt es in der Traumathek den etwas anderen Fußballfilm „Goal of the Dead – Elf Zombies müsst ihr sein“…

10. Kölner Kino Nächte | 12.-15.7. | www.koelner-kino-naechte.de

Autor

CHRISTIAN MEYER-PRÖPSTL

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