Odyssee im Ruhrgebiet

Banda Senderos feat. Boogát spielten bei der Odyssee 2017 in Hagen, Foto: Eva Vogel

Odyssee im Ruhrgebiet

Weltoffene Konzerte umsonst und draußen

Gute Musik bringt einen zum Tanzen, Lachen oder Weinen, am besten alles zugleich. Auf der Suche nach unverstellter Emotion wird man oft am schönsten bei Bands fündig, die auf der Straße angefangen haben. Die Berliner Il Civetto zum Beispiel: erst Musik in der U-Bahn gespielt, Balkan, Swing und Pop verschmolzen, auf langen Reisen gelernt mit Tönen Geschichten zu erzählen, und heute mit geballter Bühnenpräsenz unterwegs, vielsprachig pendelnd zwischen Weltschmerz und Revolution. Eine der Bands, die 2018 im Rahmen der „Odyssee“ in vier Städten live zu sehen sein werden. Seit zwanzig Jahren gibt es nun schon dieses Musikfestival, und unermüdlich legen es die Veranstalter darauf an, uns Bands vorzusetzen, die auch Ungewohntes in einen tanzbaren Mix bringen. Die Konzerte werden landesweit vom WDR-Radiosender Cosmo übertragen. Dieses Jahr stehen in Bochum, Recklinghausen, Mülheim und Hagen bei je drei Terminen Acts auf der Bühne, für die Musik mehr ist als ein Unterhaltungsprogramm.

Il Civetto fordern nicht nur „Ferries not Frontex“ und treten auf Anti-AfD-Demos auf, sondern arbeiten speziell für die Odyssee-Reihe mit dem algerischen Trio Sabâ zusammen. Von La Réunion, der zu Frankreich gehörenden Insel im Indischen Ozean, bringen Pachibaba Funk, Afrobeat und Reggae mit kreolischen Akzenten mit. Außerdem dabei: Adé Bantu, Ex-Brothers Keepers, Aktivist gegen Rassismus, Hip-Hop-Pionier in Deutschland und heute mit seiner 13-köpfigen Band Afrobeat, Rap und Reggae verschmelzend.

Was auch immer man tut, ist in einem politischen Zusammenhang zu sehen ‒ eine Selbstverständlichkeit für Claudia Saerbeck vom Ringlokschuppen Mülheim. Die Mit-Veranstalterin der Odyssee-Reihe versteht diese von Anfang an ganz klar als Verbindung von Politik und Kultur. Seit 1999 mit dem Ziel der Einbindung der in Deutschland lebenden MigrantInnen, dann in der musikalischen Einbeziehung von Geflüchteten und bis heute in der sehr bewusst gewählten Form, wie informiert, kommuniziert und übersetzt wird.

Der Anspruch spiegelt sich auch im Begleitprogramm. Der Film „Das Kongo Tribunal“ von Milo Rau spürt auf eindringliche Weise der Verflechtung des Reichtums der Ersten Welt mit dem Völkermord im Ostkongo nach (24.7. Hagen, 25.7. Bochum, 26.7. Mülheim). Am 26.7. wird im Bahnhof Langendreer diskutiert über „Diktatoren als Türsteher Europas. Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert“. Am 1.8. zeigt und diskutiert Regisseurin Ariam Tekle in der Dezentrale Mülheim ihren Film über die Situation der zweiten Einwanderergeneration Eritreas in Mailand. Am 2.8. geht es ebenfalls in der Dezentrale Mülheim mit einem Impulsreferat von Emmanuel Ndahayo um „Afrika ‒  Kontinent der Zukunft? Trotz reicher Ressourcen ist Afrika das Armenhaus der Welt“.

Odyssee – Musik der Metropolen | Bantu: 18.7. Hagen, 19.7. Recklinghausen, 20.7. Mülheim, 21.7. Bochum | Pachibaba:  25.7. Hagen, 26.7. Recklinghausen, 27.7. Mülheim, 28.7. Bochum | Il Civetto & Sabâ: 1.8. Hagen, 2.8. Recklinghausen, 3.8. Mülheim, 4.8. Bochum | je 19.30 Uhr | www.facebook.com/OdysseeMusikderMetropolen/ | cosmoradio.de

Autorin

MELANIE REDLBERGER

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