Musik für und in Köln

Am kreativen Arbeitsplatz: Georges Aperghis, Foto: Xavier Lambours

Musik für und in Köln

Die Klangsucher erforschen die Domstadt

Das diesjährige Festival „Acht Brücken. Musik für Köln“ lauscht der „GroßstadtPolyphonie“: Wie klingt die Stadt heute – Momentaufnahmen städtischer Klänge werden erkannt, künstlerisch bearbeitet, interpretiert und als Klang serviert.

Ein schönes Beispiel über klingenden Fortschritt durften die Philharmonie-Besucher kürzlich – sozusagen als Vorabend des Festivals – ganz spontan im Konzert erleben, als der südafrikanische Pianist Kristian Bezuidenhout seine Hände über die Tastatur senkte, um gleich die ersten Töne eines ganz zarten Adagios von Schubert zu starten. In der Stille des Raumes tobte nämlich ein Pfeifen auf verschiedenen Tonhöhen: Rückkopplungen unsachgemäß eingestellter Hörgeräte erzeugten ein anhaltendes, abendliches Vogelkonzert, das die kleine Klang-Preziose Schuberts völlig vernichtete. Nicht nur die „grauen Panther“, auch Rock- und Punk-Invaliden, von den Hörgeräteakustikern immer aufwendiger auf den neuesten Stand gecoacht, hören selbst die übersteuernden Frequenzen nicht. Auch die Ortung der „zwitschernden Vögelchen“ fällt schwer – hier siegt der zeitgenössische technische Fortschritt über den herkömmlichen Kunstgenuss, und der Künstler sollte eigentlich seinen Vortrag unter den Vorzeichen gar nicht erst starten – aber auch der Interpret muss solche Situationen erst zu beherrschen lernen.

„Lärm, Hektik und Schmutz hinter sich zu lassen und sich in Konzertsälen wie der Kölner Philharmonie ganz auf die Musik und die ihr immanenten Stille zu besinnen“, wie es der Festivalleiter Louwrens Langevoort empfiehlt, muss also nicht immer gelingen. Aber sich solchen unerwarteten Phänomenen zu stellen, selbst spontan neu zu hören, zu reagieren und zu bewerten, das fordern die Künstler des aktuellen Festivals ein. U-Bahnhof, Skaterhalle, Kirchen, Kulturbunker oder Rheinschiffe dienen als originelle Vortragsorte neben dem philharmonischen Zentrum und dem WDR-Sendesaal.

Ein Gesicht bekommt das Festival über den in zwölf Konzerten präsentierten Komponisten Georges Aperghis, Sohn eines Bildhauers und einer Malerin, 1945 in Athen geboren und als junger Künstler nach Paris ausgewandert. Dem Interdisziplinären galt sein Interesse, speziell die Laut-Artikulation der Stimme und auch der Instrumente faszinierten den Künstler. Auch davon erzählt das Festival.

Acht Brücken. Musik für Köln | 30.4. – 11. 5. | div. Orte | www.achtbruecken.de

Autor

OLAF WEIDEN

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