Kunststoffkopf und Rentierhaarkörper

Blick in die Ausstellung, Foto: Hans-Theo Gerhards/LVR

Kunststoffkopf und Rentierhaarkörper

Die Spielzeugsammlung Kox in Kommern

Es gibt wertlose Dinge, die sind einem so teuer, die sind unbezahlbar, die begleiten einen oft durchs ganze Leben. Meist sind es die ersten Spielzeuge, die verblichen, verbraucht, deshalb nicht den Weg in den Müllcontainer antraten, sondern einen Ehrenplatz in Herz und Vitrine fanden. Es waren Puppen, Bären und Elefanten, genau wie Autos, Spiele oder Trommeln. Im LVR-Freilichtmuseum Kommern präsentiert jetzt die Sammlung des Ehepaars Knox die Edelmarken unter den Spielzeugen, die für viele oft Wunschtraum blieben, aber das Rheinische Landesmuseum für Volkskunde zeigt auch die technische Entwicklung auf, die Körper und Oberflächen der „Puppen, Bären und Elefanten“ im Laufe der Jahrzehnten mitgingen.

Die weltberühmte Käthe Kruse-Puppe beispielsweise entstand aus Angebot und Nachfrage. Weil keine der angebotenen Puppen gefiel, begann Frau Kruse (1883-1968) selbst welche zu bauen, was zur Werkstatt, zur Fabrik, zu teuren Sammlerobjekten führte. Die Köpfe sind entweder aus Polystyrol, Pappmaché oder Stoff. Andere bevorzugten Zelluloid, wie die der Firma Schildkröt aus Mannheim. Bereits 1896 haben die eine wasserfeste Puppe im Programm. Dass die Materialwahl nicht nur den Preis, sondern auch die Haltbarkeit beeinflussten, kann man in dieser Ausstellung nachvollziehen: Zelluloid machte die Spielzeuge bruchfest, abwaschbar und farbecht – doch nie unzerstörbar.

Auch die Stofftiere bliesen schon im 19.Jahrhundert zum Angriff auf die treuen Kinderseelen. Margarete Steiff experimentiert 1877 in Gingen mit Filz, ein Nadelkissen-Elefant bringt Ruhm und Ehre auf der Leipziger Spielzeugmesse, doch erst ihr Neffe Richard wird so richtig berühmt mit dem Bären 55 PB aus Mohairfell. Der hat bis heute geduldig eine optische und haptische Mutation nach der anderen ertragen. Das mit dem Knopf im Ohr ist allerdings geblieben, bei Bär und Tier. All diese historischen Kostbarkeiten hat das Rheinische Landesmuseum nun von der Sammlerfamilie Kox erworben und schließt damit Lücken in der eigenen Sammlung. Barbie hat sicher nichts dagegen.

Von Puppen, Bären und Elefanten | bis September 2018 | LVR-Freilichtmuseum Kommern | 02443 998 00

Autor

PETER ORTMANN

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