Höhenflüge

„Tarzan“ Foto: Presse

Höhenflüge

„Tarzan“ in Oberhausen und „Non(n)sense“ in Bonn

Nach seinen Erfolgen in Hamburg und Stuttgart wurde „Tarzan“ für Oberhausen kräftig „reloaded“: noch atemberaubender fliegt jetzt Kerchaks (gesanglich stark: Patrick Stanke) Gorilla-Horde, manchmal knapp über den Köpfen der Zuschauer, durch den Saal. Es ist was los, im Metronom-Theater, vor allem auf der „special effect“-Ebene, wenn die uns allen aus den Groschen-Heften der Jugend bekannte Geschichte erzählt wird. Die jüngeren Zuschauer dürften „Tarzan“ wohl eher aus dem Zeichentrickfilm kennen, der dem Musical zugrunde liegt. Zu beiden schrieb Phil Collins die Musik, gewann mit dem Song „You´ll Be in My Heart“ einen Oscar.

Dass Collins kein originärer Musical-Komponist ist, ist eine der Schwächen von „Tarzan“, dessen Musik ansonsten gefällig, aber nicht gerade Ohrwurm-verdächtig ist. Der zweite wunde Punkt der Inszenierung (Bob Crowley) ist die Besetzung einiger Rollen mit Darstellern, die mit der deutschen Sprache so ihre Schwierigkeiten haben: Warum muss man Jane mit der Niederländerin Tessa Sunniva van Tol besetzen und dem Italiener Massimiliano Pironti den „Clown“-Affen Terk anvertrauen? Vor allem Patrick Imhof (als böser Großwildjäger), dem man jeden Satz glaubt, den er spricht, wirkt da überzeugender. Auch Sabrina Weckerlin als Tarzans-Ersatzmutter Kala und Alexander Klaws in der Titelrolle beweisen, dass sie durchaus am Broadway bestehen könnten. Ihre Performance und natürlich das bestaunenswerte Bühnenbild lohnen allein schon die Fahrt ins Centro O.

Abheben, wenn auch im übertragenen Sinne, tun auch die fünf Nonnen im Bad Godesberger Park-Theater in Dan Goggins „Non(n)sense“. Über den Inhalt dieses boulevardesken Kammer-Musicals viel Worte zu verlieren, hieße Tabernakel nach Rom tragen: Fünf Nonnen planen eine Benefiz-Show, um die Bestattungskosten für vier, in der Tiefkühltruhe lagernde, Ordensschwestern, zahlen zu können. So lassen dann die fünf ihre Talente aufblitzen: Maria Leo (Mirjam Lederle) legt mit Tütü und auf Spitzen „Nonnensee“ hin. Die früh-demente Maria Amnesia (Christin Fuchsberger) wollte eigentlich nach Nashville, gibt nun aber katholische Quizfragen zum Besten. Robert Anne (Verena Schlick) sieht sich eigentlich zum Star berufen und Maria Hubert (Marilis Sterlinger) möchte die strenge Mutter Oberin (Orsa Repp) beerben.Was nicht heißt, dass sie auf ihrem ganz speziellen Weg zur unbefleckten Empfängnis nicht auch mal ein Stepptänzchen (Choreografie: Anita Vidovic) wagen würden.

Regisseur Benjamin Baumann erweist launig dem Nonnen-Musical aller Musicals „Sound of Music“ seine Referenz, läßt sein präzis geführtes Ensemble mit Inbrunst Goggins witzige Songs trällern.Und wenn sie durch das an eine kitschige Las-Vegas-Hochzeitskapelle erinnernde Bühnenbild fegen, dann wirken sie wie ein frischer Luftzug in muffigen Klostermauern, dem die strahlenden Augen von Verena Schlick noch einen himmlischen Glanz hinzufügen.

„Tarzan“ | Di/Mi 18.30 Uhr, Do-So 19.30 Uhr, Sa 14.30 Uhr, So 19 Uhr | Stage Metronom Theater, Centro Oberhausen | 01805 44 44

„Non(n)sense“ | bis 29.11. tägl. 20 Uhr | Kleines Theater Bad Godesberg | 0228 36 28 39

Autor

ROLF-RUEDIGER HAMACHER

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