Glamouröse Proleten

Nele Kiper, Ralf Richter, Anna Maria Mühe, Jasmin Gerat, Peter Thorwarth, Axel Stein und Moritz Bleibtreu in Bochum, Foto: © 2014 Sony Pictures Releasing GmbH

Glamouröse Proleten

Peter Thorwarths „Nicht mein Tag“ feierte am 12.1. Premiere in Bochum

Mit den Filmen seiner sogenannten „Unna-Trilogie“ erlangte Regisseur Peter Thorwarth Kultstatus. Sein Debüt „Bang Boom Bang“ kam wie ein Guy-Ritchie-Film im Ruhrpott daher, mit skurrilen Kleinganoven und schwarzem Humor. Als Kultfilm gilt auch sein Baustellenklamauk „Was nicht passt, wird passend gemacht“. „Goldene Zeiten“, der Abschluss der Trilogie, war an den Kinokassen weniger erfolgreich und ist doch ein kleines Meisterwerk. Thorwarth präsentierte jetzt seinen neuesten Streifen „Nicht mein Tag“ treffend dort, wo „Bang Boom Bang“ seit 1999 ununterbrochen jede Woche einmal läuft – im UCI Bochum.

Das Multiplex bot den passenden Rahmen für die Premiere. Ein Hauch von Hollywood im Herzen des Ruhrgebiets, denn für die Hauptdarsteller von „Nicht mein Tag“ wurde der rote Teppich ausgerollt. Mit dabei waren Moritz Bleibtreu, Axel Stein, Jasmin Gerat und Anna Maria Mühe, die für Autogramme und Fotos gefragt waren. Nach der Premiere ließ sich Ralf Richter, in „Nicht mein Tag“ in einem Cameo zu sehen, mit einigen Gästen vor den PS-Boliden aus dem Film ablichten, Probesitzen inklusive. Schon Stunden vor der Aufführung drängten sich hunderte Besucher im Foyer, bevor sie in die 14 Säle strömten, in denen die Weltpremiere parallel ausgestrahlt wurde. Bevor der Film lief, begrüßten Darsteller und Regisseur die Besucher in den jeweiligen Sälen, verteilten T-Shirts und machten Fotos für eine Facebook-Aktion der Filmpremiere.

Actionreicher Buddy-Movie nach Romanvorlage

Die Vorlage für „Nicht mein Tag“ lieferte der Romanautor Ralf Husmann (Stromberg). Till (Axel Stein) lebt den kleinbürgerlichen (Alp-)traum. Seine Arbeit als spießiger Bankangestellter langweilt ihn. Genauso wie das biedere Vorstadtleben, die Familienroutine und seine frustrierende Ehe. Sein Leben pendelt sich irgendwo zwischen dem Abholen der Kinder von der Schule und den Streitigkeiten mit seiner Frau (Anna Maria Mühe) ein. Bis der Gelegenheitsgangster Nippo (Moritz Bleibtreu) Tills Bank ausraubt und ihn als Geisel nimmt. Für den Spießer beginnt nun ein rasantes Abenteuer.

In der Welt der Kleinganoven ist Thorwarth zuhause und hat seine Familie versammelt. Moritz Bleibtreu ist als Teilzeitgangster-Prolet für die derben Sprüche zuständig. „Nicht mein Tag“ ist Testosteron geschwängertes Krawallkino, mit quietschenden Reifen und ausgiebigen Schusswechseln. Irgendwo zwischen Road-Movie und Buddy-Komödie kulminiert der Film in einer spektakulären Verfolgungsjagd in Amsterdam, die sich durchaus neben Action-Sequenzenanderer Filme des Genres behaupten kann.

Einen kurzen Gastauftritt hat auch Ralf Richter. Als Gebrauchswagenhändler mit dem Kampfnamen „Langen“ mimt er als kantiger Ruhrpott-Prolet seine Paraderolle und liefert den Lacher des Abends. Hier scheint der Kultkosmos von Thorwarths Debüt „Bang Boom Bang“ kurz auf. Das Publikum zeigt sich von der rasanten Actionkomödie sichtlich gut unterhalten. Solides Weltpremierenkino, tief im Westen.

Autor

Benjamin Trilling

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