Ganz ruhig bleiben

Einer von fünf: Artem Zolotarov, Foto: Presse

Ganz ruhig bleiben

Zum 10. Mal: „Das Schwarze Schaf“ wird in Duisburg gekürt

„Ich sag ja immer / Gerade in letzter Zeit sag ich immer / Du musst ganz ruhig bleiben / Ganz ruhig / Sich nicht über alles aufregen…“ – das schrieb Hanns Dieter Hüsch (1925-2005) in dem 1995 erschienenen Buch „Wir sehen uns wieder“. In ihm sind seine wundersam schrägen „Geschichten zwischen Himmel und Erde“ versammelt, in denen seine Fantasie regelrecht Purzelbäume schlägt, Gedanken zur Zeit, die immer noch gültig sind.

„Mein Vater war und ist für mich ein, nein, nicht Kabarettist, das sage ich, weil er für die Öffentlichkeit das ist. Für mich ist er ein Poet und Philosoph.“ Das sagte seine einzige Tochter 2015 in einem Interview mit der NRZ. 1999 hatte Hüsch selbst den Kabarettpreis „Das Schwarze Schaf“ ins Leben gerufen, der seitdem alle zwei Jahre ausgelobt wird – in diesem Jahr zum zehnten Mal.

Wer am 5. Mai im Duisburger Theater am Marientor antritt, hat bereits einiges hinter sich: Im März traten in Wesel, Krefeld, Emmerich und Moers zwölf vielversprechende Nachwuchs-Künstler gegeneinander an. Fünf von ihnen wurden vom Publikum für das Finale auserkoren. Sebastian Nitsch, der Gewinner von 2016, gehört in diesem Jahr zur Jury, die wieder unter dem Vorsitz von Mirja Boes tagt – das einzige weibliche Gesicht weit und breit.

Doch lassen wir das ewige Gejammere um die fehlende Weiblichkeit auf diesem Sektor und wenden uns dem Finale zu, das unter der grundsympathischen Moderation von Matthias Brodowy, dem „ersten schwarzen Schaf“ im Jahr 1999, über die Bühne geht. Als da wären Mike & Aydin, ein Brite und ein türkischstämmiger Kabarettist, die mit Klischees jonglieren – der eine als feinsinniger Nordeuropäer, der aus der EU austreten, der andere, der seit Jahr und Tag der Gemeinschaft beitreten möchte – vergebens.

Dass er aus Heidelberg kommt, sieht man dem dunkelhäutigen Berhane Berhane, der mit mit sechs Jahren nach Deutschland kam, nicht auf Anhieb an. Schon eher dass er – im Gegensatz zu den meisten Deutschen, hervorragend tanzen kann. Und auf den Mund gefallen ist der mit zahlreichen Preisen dekorierte Kleinkünstler auch nicht. Genauso wenig wie Salim Samatou, ein begnadeter Impro-Künstler mit marokkanischen Wurzeln und amerikanischer Stand-up-Prägung. Der Gewinner des RTL Comedy Grand Prix 2016 ist ein Tausendsassa, dessen indische Mutter ihn zum Titel seines ersten Solo-Programms inspiriert haben mag: „Inder Tat“.

Fast ein Außenseiter: Der lupenreine politische Kabarettist Gregor Pallast aus Bonn, ein spätberufener 38-Jähriger, der die Mächtigen beim Wort nimmt, der analysiert und seziert. „Verwählt?“ heißt sein Solo, in dem er die Machenschaften der Großkopfeten unter die Lupe nimmt. Eine Sonderrolle hat auch Artem Zolotarov inne. Der 26-jährige Slammer kam 1998 mit seinen Eltern aus der Ukraine nach Kaiserslautern. Er avisiert für sich eher eine Laufbahn als Schriftsteller und schreibt gerade seine Bachelorarbeit: „Wenn ich einen Dozenten dafür gewinnen kann, würde ich sehr gern über Poetry-Slam schreiben“, sagt er.

Man darf gespannt sein, wer den ersten, mit 6.000 Euro dotierten Preis und eine Gewinnertour erhält. Der Sieger wird überdies sein komplettes Programm einen Tag nach der Siegerehrung im Theater „Die Säule“ in Duisburg vortragen. Die Plätze zwei und drei sind mit 4.000 und 2.000 Euro dotiert. Wem auch immer: Daumen drücken hilft, meint jedenfalls Ihre stets über Tage lebende

Finale: „Das  Schwarze Schaf“ 2018 | 5.5. 19 Uhr | Theater am Marientor, Duisburg | 01806 999 000 282

Autorin

ANNE NÜME

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