Eine Handbewegung für die Kunst

Gérard Gasiorowski: L’approche. Moi qui éprouve une peine énorme à me tenir à la hauteur des choses, 1970 © Ludwig Museum – Museum of Contemporary Art, Budapest, Foto: József Rosta

Eine Handbewegung für die Kunst

„Die Geste“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Pathos und Witz vereinigen sich auf drei Etagen. Gleich zu Beginn muss der Besucher an einer großen Masse Bronze vorbei. Danach gilt es der Überforderung standzuhalten: Das Museum Ludwig in Oberhausen feiert sein 20-jähriges Bestehen mit einer Mega-Ausstellung über Gesten, die das Haus mit Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit füllt.

Die Bronzeplastik im Eingangsbereich stammt von Wolfgang Mattheuer. „Der Jahrhundertschritt“ (1984/85) ist eines der bedeutendsten Arbeiten, die in der ehemaligen DDR  geschaffen wurden und eigentlich eine Geste für die Unbill des 20. Jahrhunderts ist. Allein um die in ins Museum zu bringen, mussten Wände entfernt werden. Auch die weiteren mehr als 150 Werke von gut 90 Künstlern beinhalten einen offensichtlichen Zeichenkodex, der mehr oder minder entschlüsselt werden kann oder, wie bei Ottmar Hörls Kunststoff-Zwergen (1998-2012), so offensichtlich ist, dass es fast weh tut.

Da die Bilder und Skulpturen von der Antike bis in die Gegenwart entstanden sind, kann der Besucher auch sehr fein unterscheiden, wie sich das Gestische im Laufe der Zeit verändert hat, mehr in den Vordergrund getreten ist, die eigentliche Bildidee wurde. Und wer hätte gedacht, dass die typische „Wo lasse ich meine Hände“-Raute der Bundeskanzlerin vom Altar des unbekannten Meisters des Sinzinger Kalvarienberges aus dem 15. Jahrhundert stammt, wo wohl auch der Heilige Johannes nicht wusste wohin mit seinen Fingern. Natürlich wird auch das Sammlerehepaar Irene und Peter Ludwig gewürdigt, aus deren Sammlungsbestand viele der Werke stammen. Ihre Portraits von Gottfried Helnwein hängen deshalb zu Recht an zentraler Stelle. Auch Bernhard Heisig hat den Sammler portraitiert, mit großer Geste natürlich. Acht Überschriften versuchen die Masse an zwei und dreidimensionalen Bildnissen zu kanalisieren, darunter auch Porzellan und Tongefäße. Und so ist die Zuordnung notwendig, aber vorsätzlich nicht immer glücklich, wo gehört nun Gerhard Richters Mutter und Tochter (Öl, 1965) eigentlich hin? Und welcher Gestus wird dort transportiert? Entscheiden Sie bitte selbst.

Die Geste | bis 11.1.19 | Ludwiggalerie Schloss Oberhausen | 0208 412 49 28

Autor

PETER ORTMANN

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