Der Raum und seine Verknappung

Wohnkonzepte für morgen, Foto: Presse

Der Raum und seine Verknappung

Wohnungsbau-Ausstellung auf Zollverein

Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst der Gentrifizierung. Wenn wir nach Essen schauen, dann haben wir nicht nur eine grüne Kommune Europas, sondern auch ein wunderbares Beispiel für Nord-Süd-Segregation. Doch das soll sich jetzt ändern, denn die Debatte um gerade noch bezahlbaren Wohnraum hat alle Kommunen im Ruhrgebiet erreicht. Neue Konzepte sind Mangelware, die sozialen Wohnungsbauten wurden längst an „Privat“ verschleudert, jetzt wird wieder gehandelt. Das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW präsentiert auf Zollverein die Ausstellung „Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“. Der zentrale Punkte dabei ist die Mobilisierung von Brachland als Bauland: „Brachliegende oder untergenutzte Standorte im Innenbereich, die als Bauland für Wohnen oder Gewerbe aktiviert werden, helfen an der richtigen Stelle gegen die Baulandknappheit und sorgen für städtebauliche Verbesserungen“ Das sagt Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW (CDU) und genau hier setzt die Ausstellung an. Sie will nicht nur Perspektiven aufzeichnen, sie will auch die Ursachen für den Ist-Zustand dokumentieren. Und da geht es nicht nur um neue rechtliche Rahmenbedingungen, schwindende Fördermaßnahmen und verschärfte Baustandards, da geht es auch um neue Lebensstandards, neue soziale Schichten und den Trend, dass alle wieder die Innenstädte suchen.

Mit fünf „thematischen Häusern“ und Begleitveranstaltungen wird die Ausstellung gegliedert. Die Überschrift „Küche. Diele. Bad“ zeigt neue Vorstellungen und Ansprüche ans Wohnen selbst.  Heute beansprucht ein Mieter pro Kopf fast vier Mal so viel Wohnfläche wie um das Jahr 1900. Aber ein „back the roots“ kann es nicht geben. Gefragt sind „Die Akteure“ im zweiten Haus. Da wohnen in der Ausstellung die Architekten und Planer, Bauherrn und Mieter. Alle sind natürlich in erster Linie am Haus „Wohngebiete“ interessiert. Denn die Peripherie verliert so langsam ihren Magnetismus und auch die einst gepriesenen Ballungszentren „außerhalb“.

„Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“ | 1.2.-4.3. | Zollverein, Essen (Schacht 12, Halle 5) | 0209 92 57 80

Autor

PETER ORTMANN

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