Der Glauben an das Gute

Foto: Thilo Beu

Der Glauben an das Gute

Dominic Friedel zeigt in Bonn „Jugend ohne Gott“

Auf der Bonner Bühne zerreißen gedunsene Retortenkinder ihren Wachstumskubus und suchen nach der Bestimmung in der Welt. Der Autor im Anzug sucht dagegen nach einem Romanstoff aus dem die Träume sind – für Zukunft, Volk und Vaterland. Doch so einfach ist das nicht, Herr Horváth. Vielleicht kann der Engel helfen, vielleicht der Chor der Jugend ohne Kleidung geschweige denn Uniform.

Visuell ziemlich spektakulär geht es zu in der Inszenierung von „Jugend ohne Gott“ in den Bad Godesberger Kammerspielen. Dominic Friedel hat dafür 17 Jugendliche zu einem performativen Demonstrations-Zug zusammengestellt, der mal als choreografierter Sprechchor oder agile Menschenmasse die Handlung, die auch von zwei Burschen aus dem Ensemble gefüllt wird, treibt und untermalt. Ein bisschen bleibt Ödön von Horváths Erfolgsroman von 1937 dabei auf der Strecke und das ist gut so. Viele nur scheinbar antifaschistische Züge aus dem Stück haben sich seit dem Ende der Weimarer Republik verändert, werden heute ziemlich anders konnotiert und von den großartigen Jugendlichen in Bonn zielgerichtet überschrieben und ergänzt. Was könnte besser sein?

Am Anfang schlagen sie jedoch erst einmal stückgerecht dem Lehrer seine neue politische Haltung um die Ohren, Schwarze seien auch Menschen, sagt der, und alle meinen, das ginge gar nicht. Schnell tritt die geballte Elternschaft auf den Plan und es geht fröhlich ab ins Feldlager, denn nach dem ersten Desaster will das zweite schnell folgen. Bei der Stückentwicklung nach Horváth suchten die Schüler wohl das unentdeckte Land, von des Bezirk kein Wandrer wiederkehrt. Sorgen um Zukunft sind das nicht, Sorgen um Werte wohl schon. Immer wieder müssen sie maschinenhaft die Bühne queren, Dominic Friedel lässt große dreieckige Stahl-Stellagen schieben, mal Zelt, mal Tribüne, mal von Horváth keine Spur, dazu eine rollende Tür, und selbst zeitgenössische Live-Videoclips gliedern die Szenen. Dann taucht Eva auf und es kommt Bewegung in die Dramaturgie. Gerade schmunzelte man noch über den Kuss mit Zunge, da wird auch schon Gericht gehalten, denn der N ist tot, erschlagen auf dem Hohlweg mit einem Stein. Das Gute muss nun Farbe bekennen im Paradies der Dummheit, schutzlos ringt die Jugend den Verblendeten nieder. Gut so. Glauben wir an das Gute.

„Jugend ohne Gott“ | Fr 7.6. 18 Uhr, Fr 14.7. 19.30 Uhr | Theater Bonn | 0228 77 80 08

Autor

PETER ORTMANN

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