„Aus reiner Freude an der Kunst“

based², Foto: Presse

„Aus reiner Freude an der Kunst“

Das Dürener Duo based² über das Glück reiner Inspiration

choices: Frau Czarnecki, Herr Temming, Ihr Duo existiert seit rund fünf Jahren. Coverbands und Garagenpunks haben in der Zeit mindestens 100 Konzerte gespielt oder ein Album gemacht. Sie sind hochbegabt und haben erst zwei Konzerte auf der Uhr. Wie ist das möglich?
Bernd Temming: (lacht) Ich muss korrigieren: Wir haben außerdem noch bei der Lichtblicke-Gala in Neuss gespielt. Ein schöner Abend zugunsten in Not geratener Familien.

Na gut, zweieinhalb Konzerte in fünf Jahren und noch kein produziertes Album, obwohl fünfzig hervorragende, eigene Songs existieren. An der Stelle ließe sich der Paragraf „Eigentum verpflichtet“ umdeuten: Kultureller Reichtum verpflichtet ebenfalls, ihn mit der Welt zu teilen.
BT: Wir arbeiten beide nebenbei noch hauptberuflich. Das bedeutet, wir haben das Glück, von der Musik nicht leben zu müssen und sie nur aus reiner Freude an der Kunst heraus machen zu dürfen. Aber natürlich haben Sie Recht und wir nehmen uns vor, mehr live zu spielen, weil es das ist, was wir wollen. Wir müssen nicht unbedingt Alben machen, aber das wird trotzdem geschehen, damit die Menschen was zum Mitnehmen haben. Das Beste ist allerdings, dem Publikum ungefiltert anzusehen, ob sie’s schön finden oder nicht.

Was arbeiten Sie beide denn „nebenbei hauptberuflich“?
Sady Czarnecki: Ich arbeite in der IT Branche und bin im zweiten Nebenhauptberuf Pferdetrainerin und Buchautorin.
BT: Ich kümmere mich in Köln um die IT bei einer großen deutschen Versicherung.

Haben diese nebenhauptberuflichen Tätigkeiten irgendeinen Einfluss auf Ihre hauptnebenberufliche Lebensmission als Musiker?
BT: Das, was ich im Beruf mache, ist wohl das einzige Thema der Welt, über das ich noch kein Lied geschrieben habe.
SC: Der einzige Einfluss unserer Berufe besteht darin, dass sie uns erlauben, ohne kommerziellen Druck Musik zu machen.

based²
Seit 2014 komponieren und spielen Sady Czarnecki und Bernd Temming „Akustisches für die Seele“ in formvollendeter Dramaturgie. Dabei entstanden bislang fünfzig eigene Songs und ein Bühnenprogramm, das dringend weiterer Aufführungen bedarf. Foto: Presse

Ihre Lieder handeln mehrheitlich melancholisch und moll-lastig von der Liebe. Wieviel davon ist biografisch geprägt?
SC: Vieles, wenn man bedenkt, dass es beim Thema Zweisamkeit nicht immer nur um Liebe geht, sondern auch um Freundschaft und die Verarbeitung vielfältiger persönlicher Erlebnisse. Nicht nur von einem selbst, sondern auch von Freunden.
BT: Wir spielen auch kabarettistische Stücke, die humoristische Begebenheiten erzählen. Doch es stimmt schon: Die Melancholie ist sehr präsent. Und der Mond. Und viel Regen. (lacht) Sagen wir: Liebe und Schicksal sind unsere Leitmotive.

Einigen wir uns darauf: Diese Geschichten müssen im Plot nicht selbst erlebt sein, aber die Emotionen muss man selber empfunden haben.
BT: Wunderbar. Wenn man diese Kurve kriegt, entsteht ein guter Song.

Melancholie können auch andere, aber die Kombination mit kabarettistischen Songs macht Sie einzigartig. Sie erzählen pointierte Szenen des Scheiterns oder werden sogar bissig angriffslustig, zuletzt etwa mit einem Lied über „Frauen mit Doppelnamen“.
BT: Vor unserem jüngsten Konzert vor geladenen Gästen bin ich erstmal die Liste der Anwesenden durchgegangen und habe mich vergewissert, dass keine Frau mit Doppelnamen anwesend ist.
SC: Das haben wir extra so eingerichtet. (lacht)

Um Sie den Leserinnen und Lesern ins Ohr zu bringen: Angenommen, Sie wären endlich auf Spotify, mit welchem anderen Künstler möchten Sie die Playlist teilen?
BT: Ich wäre geehrt, in der Nachbarschaft von Norah Jones aufzutauchen. Den Menschen weniger bekannt, aber auch wunderbar, wäre Julia Neigel, da sie lyrisch stark in unsere Richtung geht. Meine Frau Sylvie verweist außerdem mit Recht auf Klaus Hoffmann, nur mit etwas weniger Chanson.

Ist Chanson denn kein positives Wort für Sie?
SC: Chansons sind wunderbar, werden aber im Alltagssprachgebrauch zu oft mit antiquierten Mustern gleichgesetzt. Wer Chanson sagt, meint meistens immer noch Charles Aznavour und Jaques Brel und zu selten die moderne Variante von Sängerinnen wie Zaz oder, mit mehr Bluesanteil, Ayo.

Wäre Ihr Hauptnebenberuf Ihr Hauptberuf, würden Plattenfirmen-Manager versuchen, Sie als neue Rosenstolz zu vermarkten.
BT: Ich bewundere jeden, der mit seiner Musik Erfolg hat, aber mit der Musik, die Rosenstolz damals gespielt haben, kann ich wenig anfangen.
SC: Ich sehe deren Frühwerk, vor allem textlich, gar nicht so weit von uns entfernt.

Bei künstlerischen Ideen aller Art spricht man ja auch von Einfällen. Melodien oder Textzeilen fallen einem ein, sie stürzen ungeplant aus dem Äther und wollen dann augenblicklich aufs Papier oder Diktiergerät. Passiert Ihnen das als nebenher in Hauptberufen tätige Menschen während einer Rechnereinrichtung oder eines Pferdetrainings, so dass sie aufspringen und loslegen?
BT: Ich müsste das eigentlich tun. Viele Ideen sind deswegen schon verloren gegangen, vor allem während der Autofahrt. Womöglich war da ein Superhit dabei, man weiß es nicht. Wichtig ist aber in der Tat, es niemals zu erzwingen. Wie Sie schon sagen, muss es ein Einfall sein, dann wird es gut. Einen Song zu schreiben, weil Dienstzeit ist und Songs entstehen müssen – das wird nix.
SC: Ich weiß auch nicht, ob ich Musiker, die sich planmäßig hinsetzen und Songs produzieren können, bewundern soll oder ob ich Zweifel daran habe, ob das noch in irgendeiner Weise authentisch sein kann. Unsere Musik ist zu hundert Prozent echt, da wir niemals gezielt über ein Thema schreiben, sondern immer nur der Inspiration folgen.

Ihre Fähigkeiten in Sachen Komposition, Gitarre und Gesang sind hervorragend. Ist das alles selbsterlernt oder haben Sie hauptnebentätig etwas in der Richtung studiert?
SC: Ich hole mir hier und da Tipps von gelernten Profis und eigne mir Gesangstechniken an, doch im Grunde basiert alles nur auf viel Übung und Erfahrung.
BT: Da ich mich seit der Schulzeit durch überdurchschnittliche Faulheit und Widerwillen gegen Hausaufgaben auszeichne, habe ich schon früh beschlossen, mich keinem Musiklehrer anzuvertrauen.

Allerdings proben Sie so regelmäßig wie hauptberufliche Bands oder Fußballprofis – und das in der absoluten Provinz. Sie sind sicherlich die einzig relevanten Musiker von Vettweiß-Jakobswüllesheim, oder?
BT: Vettweiß hat eine große Tradition in der Karnevalsmusik.
SC: Bei Jakobswüllesheim gab es Nachholbedarf.
BT: So sieht’s aus. Nur aus dem Grund sind wir hierhergezogen.

Info: www.based2.de

INTERVIEW:

OLIVER USCHMANN

Dieser Artikel erschien auf www.choices.de, lesen Sie weitere Artikel auf www.choices.de/musik

0