Aufbruch durch die Migration

Das Ensemble LUX:NM, Foto: Vincent Stefan

Aufbruch durch die Migration

Das Forum neuer Musik in Köln

So ganz einfach ist das mit der Neuen Musik nicht. Schon gar nicht wenn das zeitgenössische Komponieren und seine Aufführung mit neuen, gesellschaftspolitisch relevanten, kulturwissenschaftlichen Auseinandersetzungen verbunden werden. Zum zwanzigsten Mal veranstaltet der Deutschlandfunk in Köln das internationale Werkstattfestival „Forum neuer Musik“ in diesem Jahr an zwei Tagen unter dem Stichwort „Postmigrantische Visionen“, auch verbunden mit den daraus resultierenden kultur- und musiktheoretischen aktuellen Überlegungen und – natürlich – neuen Kompositionen. Gleich der erste Festivaltag im Funkhaus bietet ein Streitgespräch über die Frage, wer sich denn nun angesichts der Migrationsströme in Europa mehr anpassen muss, ein Vortrag über neue Ideen für die Vielheitsgesellschaft und (vielleicht nicht nur als Ausgleich) ein Solo für eine sprechende Violoncellistin. Die junge französische Musikerin Constance Ricard interpretiert da ein Poem vom Komponisten Hermann Kellerder die Geschichte der CellistinAnita Lasker-Wallfisch im Mädchenorchester von Auschwitz in Töne verwandelt hat, die dabei auch die Gefühlswelt der Erzählerin reflektieren.

Es bleibt die Frage, ob das deutsche Grundgesetz stark genug bleibt, die immer größer werdende Einwanderung und die damit verbundene Integrationsarbeit nicht nur zu legitimieren, sondern auch zu stützen. Erste Aufweichtendenzen der letzten Zeit treiben da bereits Sorgenfalten in die Gesichter der aufgeklärten Menschen. Der zweite Festivaltag fragt deshalb auch konkret nach Bikulturalität in Werken und Biografien, denn das Arbeiten mit verschiedenen kulturellen Erfahrungen im Gepäck erzeugt immer auch neue Substanz zwischen Identität und neuer Heimat. Ein wunderbares Beispiel sind Isang Yun (1917-1995) und Younghi Pagh-Paan (*1945), die einst aus Korea kamen, um ihre Kompositionsstudien zu ergänzen und als Lehrer an Musikhochschulen in Berlin und Bremen blieben. In der Kunst-Station Sankt Peter präsentieren Organist Dominik Susteck und Schlagwerker Michael Pattmann ihre Kompositionen. Der Eintritt am Samstagmittag ist frei. Am Abend dann ein inszeniertes Konzert mit neuen Werken von Lisa Streich, Annesley Black, Ying Wang, Gordon Kampe, Oxana Omelchuk, uraufgeführt vom Ensemble LUX:NM.

Forum neuer Musik 2019 | 5. & 6.4. | Deutschlandfunk, Raderberggürtel | www.deutschlandfunk.de

Autor

PETER ORTMANN

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